Eine Einladung, die hängen bleibt: Die Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern lädt zu Kaffee & Gipfeli – und zu einem Thema, das wir alle kennen, aber selten offen verhandeln: Lästern. Nach dem erfolgreichen Referat beim LSPV im Sommer wurde das Thema weitergedacht. Diesmal nicht frontal, sondern dialogisch. Nicht belehrend, sondern bewusst offen.
Was dabei schnell klar wurde: Lästern ist kein Randphänomen. Es gehört zum Alltag von Teams, Schulen und Organisationen. Die spannende Frage ist nicht ob, sondern wie darüber gesprochen wird – und was es mit Kultur, Zugehörigkeit und Verantwortung zu tun hat.
Warum wir überhaupt lästern – und was dahintersteckt
Psychologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven zeigen, dass Lästern mehr ist als schlechter Stil. Es kann verbinden, Orientierung geben und sogar schützen – etwa wenn Menschen andere vor schwierigen Situationen warnen. Gleichzeitig hat es eine klare Schattenseite: Es kann Beziehungen beschädigen, Vertrauen untergraben und langfristig Zusammenarbeit vergiften. Entscheidend ist der Kontext, die Absicht und der Umgang damit. Diese Ambivalenz wurde in der Diskussion greifbar und differenziert beleuchtet
Vom Tuscheln zur Lernkultur
Im Zentrum des Austauschs stand deshalb nicht die moralische Bewertung, sondern die Frage nach Verantwortung:
- Wann wird aus Austausch Abwertung?
- Wo endet Entlastung und beginnt Ausgrenzung?
- Und wie schaffen wir Räume, in denen Dinge direkt, respektvoll und transparent angesprochen werden können?
Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen ein, hinterfragten Gewohnheiten und diskutierten konkrete Alternativen für den Schulalltag. Das Ziel war klar: Weg von der stillen Kaffeeküchen-Dynamik, hin zu einer Kultur, die Feedback ermöglicht und Spannungen nicht unter den Teppich kehrt.
Mit Augenzwinkern – und Klarheit
Ja, man könnte sagen: Ich entwickle mich langsam zu Luzerns Lästertante. Mit Augenzwinkern, aber mit ernsthaftem Anliegen. Denn wenn wir verstehen, warum wir über andere sprechen, können wir bewusster entscheiden, wie wir es tun.
Solche Formate zeigen, was möglich ist, wenn Institutionen den Mut haben, heikle Themen nicht zu vermeiden, sondern gemeinsam zu reflektieren. Genau dort beginnt nachhaltige Kulturarbeit – ehrlich, unbequem und zukunftsorientiert.